Adolf Fleischmann, ‘Composition # 106’, 1957, Galerie Schlichtenmaier

Der in Esslingen geborene Maler Adolf (Richard) Fleischmann siedelte in den Kriegswirren nach Paris über, schloss sich dort u. a. der Künstlergruppe »l’Équipe« an und wanderte schließlich 1952 nach New York aus, wo er die Freiheit hatte ohne Zwänge zu seinem eigenen malerischen Stil zu finden. Mit der Entdeckung seiner horizontal-vertikalen Gestaltungselemente entwickelte er sich binnen weniger Jahre zu einem Hauptvertreter der internationalen Abstraktion. Wie das in New York 1957 entstandene Gemälde »Com-position # 106« anschaulich zeigt, setzt er seine Gestaltungselemente form- und farbvariierend ein. Die zwischen Grau, Blau und Weiß changierenden Farbklänge des Bildgrundes werden durch einzeln verteilte, längere Farbstreifen in Gelb und Rot in bewusster Weise eingesetzt, ohne dass dabei jedoch die Bildharmonie vernachlässigt wird. Die Unregelmäßigkeiten der malerischen Linienführung sowie die Vernachlässigung der strengen Geometrie durch eine auf dem Untergrund suggerierte Kreisform tragen zur Steigerung der sinnlichen Wirkung bei. Rückblickend macht Fleischmann die Konsequenz, mit der er seine auf geometrischen Mitteln fußende Bildidee verfolgt, noch vor Victor Vasarely und Jesús Rafael Soto, zum Bahnbrecher der Op(tical) Art sowie einem frühen Ideenträger der Kinetik.

Signature: signiert u. m.: fleischmann; verso signiert, datiert und bezeichnet: fleischmann # 106 Oct. 1957 29 × 36 ''

Rolf Wedewer: Adolf Fleischmann. Monografie und Werkverzeichnis, Stuttgart 1977, Nr. O 190

Privatsammlung Baden-Württemberg

About Adolf Fleischmann