Anton Stankowski, ‘Übergänge’, 1993, Galerie Schlichtenmaier

Das Gemälde »Übergänge« gehört in den Kontext der sogenannten »fliegenden Formen«, in denen sich die Schrägen in einer oder – wie hier – in zwei Richtungen zuspitzen. Die extreme Dynamik verursacht durch diese Spitzen beim Betrachter Irritationen, wenn nicht physisch-optische Drangsal – noch verstärkt durch die extremen Farbkontraste, welche das Bild in vitale Schwingungen zu setzen scheint. Stankowskis typische Diagonalführung bei stetiger Durchkreuzung der Binnenformen und –farben nimmt Bezug zu Vektoren und – nach Max Bense – »Indexfiguren« (Indices im Sinne der Semiotik). Mit seinen Ordnungsprinzipien vereint Stankowski freie Gestaltung und angewandtes Design. In diesem Spätwerk gibt er mit seiner seriellen Diagonalstruktur nicht nur eine Richtung nach rechts oben vor, sondern leitet sie auch von links unten her und nimmt damit Bezug auf Zeit und Raum: Vergangenheit (dunkel - bodenlos), Gegenwart (Blau, lichtes Grau, Braun – heller Moment des Augenblicks; vage Assoziationen zu den Farben des Himmels und der Natur) und Zukunft (hell/grell – relativ einschneidende Wahrnehmung) – zumindest Übergänge als dynamisches Ereignis: Fallen und Steigen. Geleitet wird Stankowskis Werk von Hegels ästhetischen Prinzipien der Geistigkeit und der Freiheit, worauf Bense vielfach hingewiesen hat.

Signature: verso signiert und datiert: »A. Stankowski 1993«

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