Fred Thieler, ‘K.E. II/66’, 1966, Galerie Schlichtenmaier

Etwa ab Mitte der 1960er Jahre genügte Fred Thieler der unkontrollierte Fluss der Farbe (Gestus), der zum Wesen des energiegeladenen Informel gehörte, und dem er auch freien Lauf zu gewähren wusste, nicht mehr. Um die Oberhand über die Fließrichtung zurückzugewinnen, bezog Thieler die Stoffcollage in sein Werk mit ein, nicht ohne das Verfahren durch ein teilweises Dé-Collagieren noch weiter zu modifizieren (Duktus). Die Far-bigkeit reduzierte er noch radikaler, wie besonders in der Arbeit »K.E. II/66« ersichtlich wird, die ganz in Orange gehalten ist. Zur Eindämmung des freien Farbverlaufs verklebte Thieler die Leinwand mit einem in sich gefalteten und zudem vor dem Trocknungsprozess zurechtgezogenen und -geschobenen Stoff. Die Monumentalität des nahezu monochromen Oberflächenreliefs gewinnt durch die verschiedene Sättigung der Farbe im Bildraumgefüge noch an Wirkungskraft. Die Materialcollagen machen zudem die experimentelle Prozesshaftigkeit deutlich, die Thieler mit ihrer konzeptionellen Umsetzung verknüpft.

Signature: signiert und datiert u. l.: F. Thieler 90; verso auf Leinwand: F. Thieler 1966 Reliefcollage KE II/66 200 × 150 cm Fred Thieler 66 Etikett: Ausstellung Deutscher Künstlerbund

Thieler, Galleria Schneider, Rom 1966; Fred Thieler, Galerie Marianne Hennemann, Bonn 1976; Kuntkreis Hameln, Hameln 1988; Haus der Commerzbank, Berlin 2006

Deutscher Künstlerbund, 14. Ausstellung, Ausstellungshallen am Gruga-Park Essen 1966, Kat.-Nr. 403; Fred Thieler, Ölbilder, Collagen und Graphik, Städtisches Kunstmuseum, Bonn 1968, Kat.-Nr. 27; Fred Thieler. Monographie und Werkverzeichnis. Bilder von 1942-1993, Köln 1999, WV 6/236

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