Gerhard Hoehme, ‘›emanation‹’, 1969, Galerie Schlichtenmaier

Die Benennung eines Werks bildete für Gerhard Hoehme stets einen Bestandteil des künstlerischen Schaffensprozesses. So spiegelt auch der Titel »emanation«, den der Künstler für diese Arbeit aus dem Jahr 1969 wählte, in besonderem Maße dessen malerische Anliegen wider. Der Begriff aus der (Religions-)Philosophie beschreibt das Hervorgehen eines Phänomens aus seinem Ursprung, in übertragendem Sinn auch die Freisetzung von Licht und das Ausfließen von Wasser: Sechs durchscheinende Kunststoffschnüre brechen aus der von grünen, weißen und grauen Farbschwaden bedeckten Bildoberfläche hervor. Die pastos aufgetragenen Farben wirken trotz ihrer haptischen Qualität schwerelos; ein Effekt der durch die skripturalen Anklänge des Farbauftrags getragen wird. Hoehme kombiniert dabei formal die ästhetische Strukturen seiner sog. Borckenbilder, bei denen die Materialität der – oftmals von Fäden durchsetzten – Farbe im Vordergrund steht, mit den gestischen Qualitäten der um 1960 entstandenen sog. Briefbilder. In der Arbeit »emanation« tritt die Linie jedoch physisch in den Raum: Das Objekt-Bild wird, wie Gottfried Boehm es ausdrückt, zum »Mediator«; die Schnüre stehen zeichenhaft für die Relationen und Informationsflüsse in der modernen Welt. Das Gemälde wird zum Gleichnis über die Bedingungen des Bildes und die der Erfahrungswelt.

Signature: verso signiert, betitelt und datiert: G. Hoehme ›emanation‹ 1969; weitere Signatur: Sig. G. Hoehme

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