Peter Brüning, ‘Untitled’, ca. 1961, Galerie Schlichtenmaier

Peter Brüning zählt er zu den Pionieren jenes geistigen Klimas, in dessen Umfeld sich die legendäre »Düsseldorfer Kunstszene« entwi-ckeln konnte. Schon früh — er studierte zwei Jahre lang an der Stuttgarter Kunstakademie unter Willi Baumeister — wandte er sich vom Gegenständlichen ab und setzte sich mit dem gestisch-informellen Prinzip auseinander. Während seine Malerei anfangs von dunklen Farben und einer dichten Malweise geprägt ist, lichtete sich sein Stil unter dem Einfluss seines Freundes Cy Twombly. Er wurde stilis-tisch großzügiger und dynamischer. Das um 1961 entstandene, unbetitelte Gemälde ge-hört zu den Höhepunkten von Brünings infor-meller Phase. Sein enger Wegbegleiter, Man-fred de la Motte, bezeichnet seine Malweise als »gründliche und vorsichtige Beschmut-zungen der noch leeren Leinwand«. Es sind Zeichensetzungen, die gegen Ende des bis-weilen selbstquälerischen Malprozesses zu-nehmend härter, schärfer, deutlicher und prä-ziser werden. Mit Pinselschwüngen rechts/ links, oben/unten, hinten/vorne lotet Brüning das Bildgeviert visuell fühlbar aus. So energe-tisch geladen das Bild wirkt, so überlegt und bewusst ist die Komposition und so harmo-nisch dessen Ausstrahlung. Die kontrollierte Pinselführung ist an den übereinander ge-setzten Farbschichten und an den ausgewo-gen gesetzten Akzenten ablesbar. In Brü-nings lyrischer Handschrift, die seine Bilder unverwechselbar machen, kommt eine Na-turauffassung zum Ausdruck, die bestimmt ist von künstlerischen Problemstellungen wie Bewegung, Zeit, Raum und der Syntax seiner »Zeichen«. Anfang der 1960er Jahre beginnt er konsequenterweise damit, nach neuen Möglichkeiten zu suchen, um die Realität un-serer Zeit zeichenhaft in seinen »Land-schaftsbildern« umzusetzen.

Marie-Luise Otten, Peter Brüning. Studien zu Entwicklung und Werk. Werkverzeichnis, Köln 1988, Nr. 435, Abb. S. 380

Nachlass Prof. Peter Brüning, Ratingen

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