Winfred Gaul, ‘Memento mori’, 1962, Galerie Schlichtenmaier

Als Marilyn Monroe am 5. August 1962 unerwartet stirbt, widmen der Kultfigur nicht nur amerikanische Pop-Art-Künstler wie Andy Warhol oder James Gill künstlerische Arbeiten. Auch Winfred Gaul spielt in seinem Gemälde »Memento mori« auf den Tod der Schauspielerin an. In einem Fries am oberen Bildrand collagiert der deutsche Künstler – der im selben Jahr vier Monate in New York verbrachte - sechsfach ein aus der Presse entnommenes Porträt: Es zeigt Marilyn Monroe ganz als Ikone der Weiblichkeit, wie sie lasziv mit der Zunge ihren Lippenrand nachfährt. Darunter setzt Gaul jedoch mit einer apodiktischen Entschiedenheit zwei Ausrufezeichen – links rot auf weißem Grund, rechts als Negativform weiß auf rot: Der vom Massengeschmack bestimmte Glamour ist vergänglich, jeder Mensch, egal wie oft er in den Medien präsent ist, bleibt sterblich. Dieser Unterton rückt die Arbeit »Memento mori« in die Nähe der gesellschaftskritischen Strömungen der Pop-Art. Gaul setzte sich zu Beginn der 1960er Jahre – in Ablösung von seinem skriptural-informellen Malstil - intensiv mit der Resonanz der Massenkultur in der Kunst auseinander; 1963 drückt er seine Ideen zusammen mit Hans Peter Alvermann im »QUIBB-Manifest« so aus: »Das Bild bezieht sich nicht auf sich selbst. Vielmehr nimmt es Bezug auf die Realität, die vor ihm existiert, die es aufdeckt, herstellt, interpretiert.« So verweisen die Porträtfotos im Kontrast zu den schnell ausgeführten, signalhaften Ausrufezeichen auf Sein und Schein der Kunstfigur Marilyn Monroe.

Signature: verso signiert, datiert und bezeichnet: »GAUL/1962 / memento mori«

Lothar Romain: Winfried Gaul. Der Maler. München 1999, Nr. 90; Lothar Romain: Winfred Gaul. Werkverzeichnis der Gemälde. 1962-1983, Bd. II, Düsseldorf 1993, Nr. 379, Abb. S. 133; Winfred Gaul. Werke der Pop Art, Galerie Schlichtenmaier, Grafenau / Dätzingen 2016, S. 17

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