Winfred Gaul, ‘Ohne Titel (Doppelbild)’, 1963, Galerie Schlichtenmaier

Kurz nachdem Winfred Gaul 1959 mit seinen informellen Bildern auf der documenta II in Kassel einem internationalen Publikum bekannt geworden war, verabschiedete er sich von dieser gestisch geprägten Kunstströmung. Ab etwa 1962/63 wandte er sich strengen geometrischen Formen und einer starken, klar abgegrenzten Farbanwendung zu, die er selbst unter der Bezeichnung »Verkehrszeichen und Signale« subsumierte. Diese erinnern aufgrund der neuartigen Bildfor-mate - wie in dem hier gezeigten Doppelbild aus dem Jahre 1963, das ein auf die Spitze gestelltes Quadrat darstellt - an Verkehrsschilder, die mit Merkmalen der Pop Art und der Hard-Edge-Malerei verbunden werden. Unter Verzicht auf jegliche illusionistische Wirkweise der Farbe und durch Verneinung jedweder Assoziationsmöglichkeit durch eine prägnante Formgebung entstehen klare, auf strenge Form und leuchtende Farbe reduzierte Darstellungen universell verständlicher Zeichen, handschriftlos im Pinselduktus, schablonenhaft und signalartig. Gaul folgt damit, wie sein Freund und Alterskollege Brüning mit seinen kartografischen Symbolen und Zeichen, einer neuen Tendenz in der Kunst, Impulse aus dem alltäglichen Umfeld bildnerisch zu verarbeiten. Die Entwicklung hin zu einer neuen Bildsprache geht durchaus parallel zu dem bildhauerischen Werdegang eines weite-ren Studienfreundes aus der Stuttgarter Zeit, O. H. Hajek, der sich gleichzeitig ebenso von der informellen Formensprache seiner Plastiken zugunsten seiner »Stadtzeichen« und »Farbwege« verabschiedet. Wie groß der Austausch zwischen zeitgenössischer europäischer und amerikanischer Kunst damals war, zeigt die 1965 in der Baseler Kunsthalle stattfindende Ausstellung »Signale«, in der wichtige Arbeiten der Amerikaner mit Schlüsselwerken von den europäischen Künstlern gegenübergestellt wurden.

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