Winfred Gaul, ‘Tag und Nacht IV’, 1968, Galerie Schlichtenmaier

Man wird Winfred Gaul kaum irgendeinem Stil zuordnen können: zu wenig homogen entwickelt sich sein Werk. Einflüsse zeigen sich dennoch u.a. bei der Pop-Art, deren Wegbereiter und Protagonist er hierzulande war, was nicht heißt, dass Gaul die Situation, die in den USA und in England zur ›klassischen‹ Pop-Kultur führte, schlicht imitierte. Ihn als Mitläufer der amerikanischen Kunstströmung zu sehen, wäre völlig verfehlt. Auf die Frage, ob er die Pop Art ablehnte, antwortete er 1966 in einem Zeitungsinterview: »Nein, im Gegenteil, ich finde sie wunderbar … und ich verdanke ihr ein neues Verhältnis zur Wirklichkeit.« In diese Zeit fallen die Gemälde aus der Serie »Tag und Nacht« (1966-68) – dem Titel nach ein Motive, das eine Naturdarstellung erwarten lässt, selbstredend aber keinerlei direkte Assoziation zulässt. Unter der Bildserie ist ein Spiel mit dem Quadrat zu erkennen, genauer: mit Quadraten im Quadrat, welches zwar selbst quadratisch ist, aber zugleich von der Farbform her das Viertel eines imaginären Quadrats (außerhalb des Bildes) darstellt. Gemeinsam ist diesen Werken das auf die Spitze gedrehte Format, während die Binnenfarben komplett unterschiedlich innerhalb der Serie und extrem kontrastreich innerhalb der einzelnen Bilder sind – sodass man geneigt ist, die Redewendung »so unterschiedlich wie Tag und Nacht« eher im übertragenen als im konkreten Sinn zu verstehen.

Signature: verso mit Schablone signiert, datiert und bezeichnet: »GAUL/68/184 × 184«

Lothar Romain, Winfred Gaul. Werk-verzeichnis der Gemälde. 1962-1983, Bd. II, Düsseldorf 1993, Nr. 519, Abb. S. 152; Winfred Gaul. Werke der Pop Art, Galerie Schlichtenmaier, Grafenau / Dätzingen 2016, S. 42

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